Gentechnik in der Landwirtschaft – Muss oder Möglichkeit?

Landwirtschaft umfasst die Bereich Pflanzenbau und Tierproduktion. Darunter fallen sowohl der Anbau von Nutzpflanzen wie Getreide, Gemüse, Wein und Obst als auch die Haltung von Nutztieren. Produkte aus der Landwirtschaft dienen als Nahrungsmittel oder sind für die Weiterverarbeitung vorgesehen, beispielsweise zur Erzeugung von Futtermitteln oder Bioenergie. Da es weltweit außer einer einzelnen Lachssorte keine zugelassenen gv-Nutztiere gibt, bezieht sich die Diskussion um Gentechnik in der Landwirtschaft bislang ausschließlich auf Pflanzen. 

Gentechnik in der Landwirtschaft
Gentechnik in der Landwirtschaft

Wo gibt es Gentechnik in der Landwirtschaft? 

In Deutschland werden keine gentechnisch veränderten (gv-) Pflanzen angebaut und keine gv-Tiere gehalten. Deutschland hat sich wie die meisten europäischen Länder auf Basis der Opt out-Richtlinie 2015/412 gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen entschieden. Deutschland ist daher ebenso wie seine Nachbarländer gentechnikfrei. Aktuell bauen in Europa nur Spanien und Portugal gentechnisch veränderte Organismen (GVO) an, zugelassen ist einzig die Maissorte MON 810, die ein Insektengift produziert. (Stand 3/2019; Quelle: Transgen). Wie das nationale Anbauverbot durchgesetzt und kontrolliert wird, kann im Detail hier nachgelesen werden: bmel.de

Deutschland hat sich wie die meisten europäischen Länder auf Basis der Opt out-Richtlinie 2015/412 gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen entschieden.

Global betrachtet bietet sich folgendes Bild: 95% des weltweiten gv-Anbaus konzentrieren sich auf die Länder USA, Brasilien, Argentinien, Kanada und Indien. Deutlich kleinere Anbauflächen gibt es in Schwellen- und Entwicklungsländern in Mittelamerika, Afrika, Asien und Indonesien. An Arten treten nahezu ausschließlich Soja, Mais, Baumwolle und Raps auf – diese Pflanzen machen über 99% der global angebauten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen aus, die Hälfte davon ist Soja. Andere gv-Pflanzen wie Zuckerrüben, Luzerne, Papaya oder Kartoffeln fallen kaum ins Gewicht. 

GVO belegten 2016 etwa 13% der weltweiten Ackerflächen. Die gentechnisch eingebrachten Eigenschaften der Nutzpflanzen sind nahezu ausschließlich Herbizidtoleranzen und Insektenresistenzen bzw. Kombinationen dieser Events („stacked“). Eine jährlich aktualisierte Statisik gibt die Agro-Biotechnologie-Agentur ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications) heraus. 

Video: Ist Gentechnik in der Landwirtschaft ein Problem?

Wie kommt die Gentechnik auf den Acker? 

Die Basis für Anbau und Produktion von Nutzorganismen liefern Pflanzenzüchter. Aufgabe der Züchtung ist es, den Marktanforderungen gerecht zu werden und neue Sorten oder Zuchtlinien für den kommerziellen Anbau zu entwickeln.

Saatzuchtunternehmen arbeiten ebenfalls an der Neu- und Erhaltungszüchtung sowie an der Saatgutvermehrung eingetragener Sorten. Zuchtziele sind vorwiegend Ertragssteigerungen, Krankheits- und Schädlingsresistenzen und agrarökonomische Merkmale wie Standfestigkeit z.B bei Mais. Die moderne Molekularbiologie bietet auch für die konventionelle, gentechnikfreie Züchtung Möglichkeiten, präziser zu züchten und eine effektive Kontrolle der Zuchtarbeit auszuüben (Z.B. next generation sequencing, smart breeding). 

Die so erzeugten Sorten dienen sowohl international agierenden Saatzuchtunternehmen als Ausgangspunkt für ihre gentechnische Forschung als auch Landwirten als Saatgut – die Unterschiede zwischen konventionell und biologisch produzierten Erzeugnissen liegen in Anbau und Aufzucht, nicht aber in der Ausgangssorte. 

Eine extreme Monopolisierung in der Pflanzenzucht führt dazu, dass nur wenige Unternehmen den internationalen Markt für Saatgut und Pflanzenschutzmittel dominieren. Die folgenden Agrochemiekonzerne sind außerdem federführend in der gentechnischen Nutzpflanzenforschung: 

• Syngenta-ChemChina (Schweiz/China) 
• Bayer-Monsanto (Deutschland/USA) 
• DowChemical-DuPont/Pioneer (USA) 
• BASF (Deutschland) 

In Deutschland sind etwa 130 größere und kleinere Züchtungsbetriebe dem Verband Deutscher Pflanzenzüchter angeschlossen. Bekannte Saatzuchtunternehmen in Deutschland sind beispielsweise die DSV-Saaten AG, die Saaten-Union oder KWS, die ebenfalls Forschung an GVO betreibt, während kleinere Züchtungsbetriebe zunehmend Probleme haben, neben den Weltmarktführern zu bestehen. 

Ist Gentechnik in der Landwirtschaft die Zukunft? 

Das wäre zwar die Wunschvorstellung der Agrochemiekonzerne, diese Richtung ist aber keineswegs zwingend. Der Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen ist vor allem in solchen Ländern profitabel, die riesige Flächen industriell bewirtschaften können. Hier ist allerdings nahezu Marktsättigung erreicht, daher ist das Expansionsstreben der Konzerne nachvollziehbar. In kleinen, dicht besiedelten Ländern wie Deutschland, die traditionell deutlich kleinere Äcker und Teilflächen nutzen, sind Szenarien wie im amerikanischen corn belt kaum vorstellbar. Der organisatorische Aufwand, der sich durch die gesetzlichen Bestimmungen zur Ausbringung und Dokumentation von GVO ergibt (Link:Gentechnikgesetz), sowie der finanzielle Einsatz erscheinen unverhältnismäßig. 

Welternährung, Mangelkrankheiten, Dürrekatastrophen – auf alle zukünftigen Herausforderungen soll Gentechnik in der Landwirtschaft die Antwort sein. Allerdings sind seit der Einführung der Grünen Gentechnik vor etwa 30 Jahren derartige Innovationen ausgeblieben. Die Anbauflächen wurden zwar größer, aber es werden immer noch die gleichen Arten angebaut und die Modifikationen sind ebenfalls die gleichen – nämlich solche, die auf eine industrielle Großproduktion von Nutzpflanzen angelegt sind. Events, die dem Verbraucher oder gar der Umwelt nützen könnten (reduzierter Herbizideinsatz, veränderte Vitamingehalte etc.) haben auch nach jahrelanger Forschung bislang keine Marktreife erreicht.